… während dieser einen Tobsuchtsanfall hat. Das konnte ich heute zum ersten Mal am eigenen Leib erleben.

Alles fing so harmlos an: ich habe Timo vom Kindergarten abgeholt und wir sind zusammen aus der Tiefgarage zu uns nach Hause gegangen. Dort müssen wir ja an unserem Gartentor vorbei und Timo wollte unbedingt Laufrad fahren. Ich sagte ihm, dass es regnet und wir lieber drinnen bleiben sollten. Normalerweise hört er auf mich und kommt dann einfach mit. Heute war das komplett anders. Er diskutierte im Regen stehend, dass er jetzt in den Garten will. Ich sagte, er solle mal nach oben schauen, in der Hoffnung, dass die Regentropfen dann direkt in sein Gesicht tropfen und er versteht, was ich meine.

Leider war auch dieser Versuch nicht von Erfolg gekrönt. Ich holte also zu meiner Universalwaffe aus: „Ich geh dann mal alleine, ciao Timo.“ (ich hasse es, dass zu tun). Doch auch davon lies er sich nur mittelprächtig beeindrucken und schaffte es gerade mal bis in den Hausflur.

Dort fing er dann richtig an zu brüllen und ich sagte ihm ziemlich deutlich, dass er sich gefälligst zusammenreißen soll, bis wir in der Wohnung sind. Auch das war nicht erfolgreich, so dass ich ihn an den Händen gepackt und in die Wohnung getragen hab. Dabei schrie er, als würde man ihn schlachten. Tat mir auch ein wenig leid, aber so ein Krach im Hausflur geht ja nun wirklich nicht.

Drinnen angekommen, habe ich, vorausahnend wie ich nun mal bin, die Tür direkt abgeschlossen. Das hat Timo dann so richtig in Rage versetzt. Er hat sich an die Türklinke gehangen, mit den Füßen gegen die Tür getreten und ist so richtig schön ausgetickt.

Da mir klar war, dass ich gerade eh nicht zu ihm durchdringe, hab ich mich ins Wohnzimmer verzogen und ihn mal machen lassen. Irgendwie hat er es dann geschafft mit dem Hinterkopf auf dem Boden zu landen, so dass ich doch mal nach ihm geschaut habe (einen Aufschlag des Kopfs hat man nicht gehört, also war’s wohl auch nicht so schlimm).

Allein mein Erscheinen brachte ihn noch mehr zum brüllen. Ich versuchte so ruhig ich konnte, auf ihn einzureden, dass er sich erstmal beruhigt und wir dann noch mal über die Situation reden. Nichts. Einzige Reaktion, noch lauteres Brüllen und heftigeres Um-Sich-Treten.

Ich habe dann lange mit mir gerungen, und mich dazu entschlossen, meine körperliche Überlegenheit zu nutzen um dem Kind wenigstens die Jacke und die Schuhe auszuziehen. Er fing in seiner Wut nämlich langsam an zu schwitzen.

Irgendwann hat er sich dann beruhigt. Wie genau weiß ich schon gar nicht mehr, aber zum Schluß haben wir ein paar Gummibärchen gegessen und dem Regen durchs Fenster zugesehen. Alles wieder gut, dachte ich. Nun ja, wäre ja auch zu einfach gewesen.

In Teilen hat sich dieses Verhalten nämlich bei den verschiedensten Gelegenheiten wiederholt (aus der Badewanne aussteigen, ins Bett gehen und schlafen).

Mich hat das auch ziemlich frustriert und vor allem Kraft gekostet. Ich musste mich nämlich wirklich die ganze Zeit sehr zusammen reißen um nicht auch mit auszurasten. Ich kann mittlerweile, wenn ich die Schlagzeilen von totgeschüttelten oder verprügelten Kindern lese, etwas Verständnis aufbringen. Nein, nicht für die Armseeligkeit, diese Schwelle zu überschreiten um einem Kind Leid anzutun. Eher, die Tatsache, wie schnell solche Situationen entstehen und wie sehr man sich als „Erwachsener“ dann unter Kontrolle haben muss. Ich denke, dass einige, die vielleicht noch andere Probleme (wie z.B. Alkohol) haben, komplett überfordert sind, sich selbst so zusammenzureißen. Und dann liest man diese schlimmen Schlagzeilen am nächsten Tag in der Zeitung.

Mich berühren solche Meldungen mittlerweile deutlich mehr, als vor Timo’s Geburt. Und sie machen mich immer rasend wütend. Natürlich in erster Linie, weil die Kinder sich nicht wehren konnten und ich im Unterbewußtsein immer Timo vor Augen hab. Auf der anderen Seite machen sie mir an solchen Tagen auch ein wenig Angst, weil ich mich frage: kommt vielleicht irgendwann mal eine Situation auf mich zu, die ich nicht mehr so im Griff habe? Wie werde ich dann reagieren? Ich werde auf jeden Fall alles tun, damit es bei solchen Eskalationen nie zu Gewalt kommt. Aber ist nicht auch schon das Anheben der Stimme ein Stück Gewalt? Ich rede mir immer ein, dass es nötig ist, damit mich mein Kind überhaupt hört, wenn es so schreit. Manchmal klappt es allerdings auch, wenn man ganz leise spricht. Leider nicht immer, denn das wäre meine bevorzugte Art und Weise solche Konflikte zu lösen, ich rede und erkläre lieber im Ruhigen, als einfach nur aus Sicht des Kindes „diktatorisch“ Anweisungen rum zu schreien.

Naja ich übe ja noch. Hat ja auch niemand behauptet, dass nur die Kinder in den ersten Jahren, krasse Lernkurven hinlegen können, dass gilt wahrscheinlich auch für Eltern 🙂

5 comments on “Der erfolglose Versuch mit einem 2 jährigen zu diskutieren…”

  1. Mama arbeitet Antworten

    Das, finde ich, hast du sehr lebensnah beschrieben. Manchmal fordert es fast übermenschliche Kräfte, ruhig zu bleiben. Und selbst wenn Schreien auch schon Gewalt ist, wo ich mit dir übereinstimme, ist das noch am ehesten entschuldbar und den Kindern hinterher vermittelbar, dass und warum geschrien wurde. Mir hilft das klassische Durchatmen, einen Schritt innerlich zurücktreten, und überlegen, wie ich diese Situation in 10 Jahren einschätze. Klappt aber nicht immer, denn ich bin auch ein Mensch und werde ab und zu laut.Lieben Gruss, Christine

  2. Mattes Antworten

    Vielen Dank für Deine lieben Worte. Es tut gut, zu hören bzw. zu lesen, dass man nicht alles verkehrt macht 🙂

  3. Tina Antworten

    Lieber Mattes,mein Sohn hat mit solchem Verhalten nicht nur mich sondern auch seine Kita-Erzieherin zur Ratlosigkeit getrieben. Und die Frau hat 35 Jahre berufserfahrung. Es kommt immernoch in Schüben vor, dass mein kleiner Prinz so ausrastet wegen "nichts". Meist ein deutliches Zeichen, dass er von irgendetwas überfordert war. Wovon war und ist jedesmal Detetivarbeit. Mal war es ein Kontakt zum Papa nach Monaten wieder halbwegs regelmäßig. Mal ein simpler Entwicklungsschub, mal einfach nur zu wenig Schlaf oder zu viel Besuch. Ich kann es dem kleinen Kerl nicht verübeln, dass er so sensibel auf manche Sachen reagiert. Er wurde in eine kaputte Familie hineingeboren und mit 8 Monaten kam die räumliche Trennung vom Papa dazu. Mene Große war damals drei, aber sie hat andere methoden, um zu zeigen, wenn es zu vel wird. Während der Junior brüllt ist sie dann sehr in sich gekehrt. Es ist nicht immer einfach und auch ich werde leider immer wieder laut. Manchmal kotzt mich mein Befehlston regelrecht an, aber manchmal geht es nicht anders. Vor allem wenn beide Kinder überfordert sind und auch gerade nicht miteinander umgehen können. Gott sei Dank gibt es aber immernoch genügend Momente, wo wir drei ein echt gutes Team sind und eine tolle Zeit haben. Anders wird das bei euch auch nicht sein.LG Tina

  4. Mattes Antworten

    Hallo Tina, Du hast Recht es gibt natürlich viele wirklich schöne Momente. Allerdings war ich gestern scheinbar etwas schockiert, dass sich Timo bei mir so dermaßen gehen lässt. Bis jetzt hat er das nur bei seiner Mutter gemacht. 🙂

  5. Maracaya Antworten

    Also _diese_ Situationen haben wir inzwischen ganz gut im Griff, seit ich geschnallt habe, dass hier eigentlich immer der Grund Muedigkeit oder Hunger ist. Dann ist er einfach komplett hilflos und weiss nicht mehr raus aus der Situation. Ich schaffe das inzwischen fast immer ohne laut zu werden, einfach mit abwarten & Kind zu essen geben oder ins Bett bringen.Also, fast immer. Wenn mein Nervenkostuem eh schon duenn ist, kanns auch mal laut werden.Bei uns sind es eher die Taetlichkeiten gegenueber anderen Kindern, die mich an die Grenze bringen – das Gefuehl der Ohnmacht gegenueber dem Kind, das nicht-rankommen-koennen, ist dabei aber das selbe.

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