Neulich saß ich mit Timo beim Eisessen in der Eisdiele und wurde unbeabsichtigt Mithörer einer Konversation zwischen 4 Jugendlichen. Den genauen Wortlaut weiß ich nicht mehr, aber 3 von den Kids erzählten sich gegenseitig, dass die Eltern getrennt leben. Das hat mich doch echt tief getroffen, da ich ja selbst eine Trennung des Elternhauses miterleben musste. Die Kids sprachen ziemlich locker darüber und machten einen relativ unbekümmerten Eindruck. Es schien fast, als wäre der Zustand „getrennt lebende Eltern“ der „Normalzustand“.

Auch die Trennung unserer Nachbarn, deren Sohn ein Jahr jünger ist als Timo hat mich gedanklich beschäftigt und bewegt diesen Artikel zu schreiben.

Ich selbst kann mich noch gut daran erinnern wie es damals war. Vor der Trennung meiner Eltern war der Gedanke, dass beide keine „Einheit“ mehr zusammen bilden so unerträglich, dass ich ein paar Mal im Bad stand und leise in ein Handtuch geschluchzt habe, und dass obwohl ich nur drüber nachgedacht hatte, wie dass wohl sein würde (ich denke ich war da so 9 oder 10). Vielleicht habe ich im Unterbewußtsein schon etwas wahrgenommen, aber nicht einordnen können, wer weiß das schon.

Bei der Trennung selbst war ich dann schon älter, 14 oder 15 würde ich sagen. So genau kann ich das gar nicht mehr zeitlich einordnen, da ich mich an diese Zeit nicht so gern erinnern mag. Fakt ist, es kam plötzlich und es fühlte sich an, als hätte ich einen Elternteil verloren. Das einen das nicht unberührt läßt, ist wohl relativ klar. Zur damaligen Zeit war ich aber so in Schule und Hobbies eingespannt, dass ich das Alles wohl verdrängt habe, bis mein Geist „reif“ war, diesen „Verlust“ zu verarbeiten und einzuordnen. Nach und nach gab es ja dann auch wieder eine Annäherung und ich würde mal behaupten, dass ich mittlerweile wieder ein gutes Verhältnis zu beiden Eltern habe.

Und genau da liegt der Knackpunkt. Mein innerstes Bestreben ist es, ein harmonisches Umfeld zu haben. Das gestaltet sich aber mehr als schwierig, wenn die Eltern nicht mal mehr miteinander kommunizieren. Klar ist nach so langer Zeit des Zusammenlebens einiges zu Bruch gegangen, aber die Zeit nach der Trennung ist ja mittlerweile bei „Jahrzehnten“ angekommen. Das sich erwachsene Leute dann nicht mal mehr ein „guten Tag“ oder „hast Du was von den Kindern gehört“ abringen können ist mir unbegreiflich. Und so richtig wütend macht mich dann die Tatsache, dass immer gesagt wird (und zwar nicht nur in unserem Fall): „Lasst uns die Trennung nicht auf den Schultern der Kindern austragen“. Die Wahrheit sieht nämlich so aus, dass diese Trennungen sogar noch auf den Rücken der Enkel ausgetragen werden.

Wir versuchen es ja wie gesagt, immer allen recht zu machen und haben uns aus diesem Grund zum Beispiel so lange Zeit gelassen zu heiraten, weil wir uns mit den Einladungen zu dem Fest sehr schwer getan haben. Aus Sicht der Kinder gibt es trotz aller Querelen immer noch beide Eltern und beim wichtigsten Tag im Leben (was ja eine Hochzeit sein soll), will man ja auch beide Eltern dabei haben. Und das geht dann mit den Geburtstagen der eigenen Kinder weiter. Die sollen ja an einem Tag Geburtstag feiern und nicht mehrere Wochenenden hintereinander. Die Planung der Geburtstage hat mir echt Kopfzerbrechen bereitet, bis ich dann zu dem Schluß gekommen bin, dass es ja als „Kind“ gar nicht meine Aufgabe ist, dafür zu sorgen, dass auch jeder zufrieden ist und möglichst den anderen nicht sehen muss. Ich werde es in Zukunft so machen, dass alle eingeladen werden und wer dann kommt, ist da, und wer nicht, eben nicht. Mir tut es an der Stelle dann aber im Herzen weh, wenn meine Kinder darunter leiden müssten. Sie sehen die Großeltern auf Grund der Entfernung ja nun schon sehr selten und an Geburtstagen fällt es ja dann noch mehr auf, wenn ein Großelternteil fehlt.

Ich würde mir einfach wünschen, dass die Kommunikation auf einer „normalen“ Ebene wieder aufgenommen wird, so dass man sich einfach absprechen kann, wie und wann man denn bei „Familienevents“ teilnehmen möchte.

Diese Erwartungshaltung gilt natürlich nicht nur für meine Familie. Bei Scheidungen, und die einleitenden Worte haben ja gezeigt, dass die sehr oft vorkommen, sollten die Eltern immer bemüht sein miteinander zu reden. Es ist ja klar, dass es in Beziehungen auch mal zu einem Punkt kommen kann, dass es nicht mehr weitergeht, aber dann muss man doch um der Kinder und Enkelkinder wegen noch „normal“ miteinander reden können oder alle Kraft darauf verwenden, dass zu tun.

Das kann natürlich nur funktionieren, wenn die Ehe auf Grund von Eheproblemen in die Brüche geht. Wenn in der Beziehung Gewalt im Spiel ist, dann ist es für mich auch klar, dass man mit der Person, die diese ausübt nicht mehr sprechen will. Dann ist ein schnelles Ende der Beziehung wohl am „gesündesten“, auch wenn es bedeutet, dass es nach der Phase des „gefühlten Verlusts“ keine Annäherung mehr gibt.

Ich werde mich auf jeden Fall bemühen, meine Ehe am laufen zu halten. Allerdings ist auch klar, dass man nie „nie“ sagen sollte. Ich werde mich also davor hüten zu sagen, so eine Scheidung wird mir „nie“ passieren. Ich werde aber, wenn der Fall eintreten sollte alles daran setzen, dass unsere Kinder immer zu uns beiden den gleichen Kontakt und das gleiche Vertrauen haben. Der erste Schritt dazu ist die Kommunikation, welcher übrigens meiner Meinung nach auch der erste Schritt ist, um Beziehungsprobleme zu lösen. 🙂

Ich hoffe, dass ich mit dem Artikel keinem aus meiner Familie „auf die Füße“ getreten bin (aber meine Ansichten habe ich ja schon oft genug auch so in Gesprächen verdeutlicht). Und ich hoffe, dass möglichst Viele, wenn sie in die Situation kommen, an diesen Artikel erinnern und sich vor Augen führen, dass eine Trennung, wenn Kinder betroffen sind, keine „Ich“-Angelegenheit ist, und nur durch einen „vernünftigen“ Umgang mit dem „Ex-Partner“ das „auf dem Rücken der Kinder austragen“ verhindern kann.
Den betroffenen Kindern kann ich nur raten: wenn Ihr merkt, dass Eure Eltern Euch auf eine Seite ziehen wollen und Ihr Euch unwohl damit fühlt, sagt es laut und deutlich. Die Pflicht aller Eltern ist es Kindern ein harmonisches Umfeld zu bieten und das hört mit einer Trennung auf. Bei mir hat es viele Jahre und eigenen Nachwuchs gebraucht um mir das vor Augen zu führen.

Rückblickend, und das ist, wie schon erwähnt, mehrere Jahrzehnte her, bedauere ich eigentlich nicht, dass ich heute von mir sagen kann, dass ich ein „Scheidungskind“ bin. Im Gegenteil, ich denke mit der Trennung bin ich deutlich schneller erwachsen geworden als auf „normalem“ Weg. Und mittlerweile bin ich auch niemandem mehr böse, für dass was gelaufen und wie es gelaufen ist. Ich habe einfach mit den Erlebnissen und Erfahrungen abgeschlossen, vergeben gelernt und bin mit der Beziehung zu meinen Eltern sehr zufrieden (sie geben mir selbst als Erwachsener das Gefühl, dass sie jederzeit für mich da sind).

 

Deine Meinung interessiert mich:

%d Bloggern gefällt das: