Nun ja, zumindest das erste unter „Anleitung“. Ich war ja schon des Öfteren mal mit mindestens einem Kind allein. Ab und zu auch mal mit beiden. Trotzdem war es dieses Mal etwas „Besonderes“.

Im Väternetzwerk unseres Unternehmens, gab es vor einiger Zeit eine Meldung, dass noch Plätze frei wären für das Vater-Kind-Wochenende unter dem Motto „Im Schutz des Waldes“. Nach kurzem Check der Rahmenbedingungen und des Kalenders, habe ich mich mit Timo dort angemeldet. Und so kam es, dass ich mich mit meinem „Großen“ allein in Richtung Waldschule Solingen aufmachte. Eingepackt hatten wir Kissenbezüge, Bettlaken, Schlafsäcke, Schnitzmesser, Taschenlampe und Snacks bis der Rucksack platzt.

Mika und Tini haben das Wochenende genutzt um eine „Premiere“ für Mika zu feiern: die erste lange Eisenbahnfahrt. Der war mindestens genauso gespannt und aufgeregt wie Timo und ich.

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In der Waldschule angekommen haben wir erstmal unsere Sachen ausgepackt und das Auto ins Tal auf einen Parkplatz gefahren. Danach mussten wir ungefähr 1,5 km bergauf wandern. Timo hatte ja vorher immer gesagt, dass er sooooo gern mal wandern gehen wollte. Als er mich fragte, ob ich ihn auf die Schultern nehme, habe ich im gesagt: das ist Wandern! Und er fand Wandern plötzlich doch nicht mehr so toll 😉

Wir sind aber wieder oben angekommen und lernten die anderen Väter und Kinder kennen. Es war eine sehr entspannte und gesellige Runde. Wieder einmal konnte ich beobachten, wie „blind“ sich Kinder teilweise verstehen und wie vorurteilsfrei sie miteinander umgehen. Klar, die Möglichkeit völlig ungestört zu kokeln und mit Feuer zu „spielen“ war eine tolle Gelegenheit sich kennen zu lernen und sollte ja nicht durch einen Streit zu nichte gemacht werden, aber ich denke auch ohne Feuer hätten sich die Kids schnell gut verstanden.

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Jetzt im Nachhinein fällt mir übrigens auf, dass wir uns gar nicht groß unterhalten haben, warum wir uns für dieses Vater-Kind-Wochenende entschieden haben. Die Motive werden da ja schon unterschiedlich sein. Ich hatte mir im Vorfeld auch schon überlegt, warum ich das mache und ob ich so ein Vater-Kind-Event nicht eher mit Mika machen sollte, weil ich den ja faktisch noch nicht so lange kenne wie Timo. 🙂
Andererseits habe ich mir dann überlegt, dass Timo, seitdem Mika da ist, schon  des Öfteren mal zurückstecken musste und nur noch die zweite Geige gespielt hat. Aus diesem Blickwinkel war es dann doch „gerecht“ ihm diese Exklusivzeit zu gönnen.

Wenn ich ganz ehrlich zu mir bin,  war es für mich auch schön mal wieder komplett neue Leute kennen zu lernen, sich auszutauschen, zu zuhören und abzuschalten. Das ging Abends beim gemeinsamen Grillen am Lagerfeuer los und hielt das ganze Wochenende an.

Am Samstag morgen wurden wir Väter nach einem ausgiebigen Frühstück in den Wald geschickt. Dort sollten wir uns einen bequemen Platz suchen und eine Stunde lang an diesem Platz bleiben. Wie wir die Zeit dort nutzten, war uns völlig freigestellt. Bei mir setzten direkt die alten „Gewohnheiten“ des Meditierens ein, die ich vor Jahren beim Karate und Iai-Do gelernt hatte. Ich konzentrierte mich auf meine Atmung, schloss die Augen und hörte in den Wald und in mich hinein. Das war echt krass zu erleben, welche Gedankengänge ich vollzog, beim Versuch an „Nichts“ zu denken. Das klingt im ersten Moment total einfach, aber versucht das mal selbst, und ihr werdet feststellen, dass ihr entweder an vergangene oder zukünftige Dinge denkt. Das Hier- und Jetzt zu erreichen ist schwerer als es sich anhört. 😉

Unsere Kinder haben in der Zwischenzeit den Foxwalk gelernt, also Techniken, die für das Schleichen benötigt werden. Das anschließende Spiel war dann so fesselnd, dass einige gar nicht mehr aufhören wollten. Dabei ging es darum jemandem, der in der Mitte eines Kreises sitzt eine Streichholzschachtel wegzunehmen, ohne das er das mitbekommt. Klingt auch einfacher als man annehmen würde. 🙂

Nachmittags machten wir uns dann daran unsere eigene Laubhütte zu bauen. Es gab eine kurze Einweisung durch unseren Leiter:

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Und dann haben sich immer 3 Väter mit ihren Kindern zusammen gefunden um eine Hütte zu bauen. Als erstes das „Grundgerippe“:

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Danach noch mehr Stöcke an den Seiten, bis die Lücken komplett gefüllt sind:

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Und abschließend ordentlich Laub auf das Gerüst:

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Nachdem wir alle gebauten Hütten angeschaut und für „gut“ befunden hatten, gab es Essen und eine Anleitung, wie „Glutbrennen“ funktioniert und was man damit so anstellen kann.
Im Prinzip nimmt man ein Stück Holz, mit einer glatten Seite, auf die dann ein Stückchen Glut packt um dann durch pusten das Holz an der Stelle zum glühen zu bringen, an der zum Beispiel die Vertiefung für eine Holzschale hin soll.

Das sieht dann ungefähr so aus:

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Es ging dann Abends noch weiter mit Stockbrot, dessen Teig die Kinder ganz allein hergestellt hatten und der im übrigen von der Konsistenz und vom Geschmack her einfach perfekt war. 🙂

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Sonntag früh gab es dann ein ordentliches Frühstück mit Rührei und anderen Leckereien. Danach wurden die Sachen gepackt und es gab noch eine Lektion „Wildniswissen“. Eigentlich die wichtigste Lektion überhaupt, wenn man draußen überleben muss: wie macht man ein Feuer?

Nach kurzer Einweisung durfte jedes Vater-Kind-Team sein eigenes kleines Feuer aufbauen und dann versuchen es auch anzuzünden.

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Alle Materialien (bis auf die Streichhölzer) fanden wir im Wald. Und die Kinder waren stolz wie Oskar, wenn das Feuer dann endlich brannte:

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Danach war dann noch säubern des Hauses angesagt und die Kinder bekamen noch ein kleines „Mittagessen“. Und zack, war das Wochenende rum. Die Zeit verging wirklich wie im Fluge und wir hatten echt super Glück mit dem Wetter, obwohl da auch alles dabei war: Regen, Sonnenschein, Hagel und Schnee. Typisches Aprilwetter halt.

Es war schön zu sehen, wie sich alle immer irgendwie wieder am Feuer getroffen haben. Irgendwie hat dieses Element immer wieder etwas faszinierendes und geselliges an sich.

Und 3 Tage ohne große Pause an der frischen Luft, waren auch mal wieder eine Erfahrung für sich. Es kamen direkt Erinnerungen an die Zeit bei der Bundeswehr hoch, da waren wir ja auch ab und zu mal länger draußen. Am Montag fühlte sich das Büro irgendwie „enger“ an als sonst. 😉 Das waren dann wohl die Nachwirkungen dieses tollen Wochenendes.

Hier noch mal ein großes Dankeschön an die Organisatoren und die anderen Väter und deren Kinder. Wie sagt man so schön bei Ebay: Gerne wieder! 😉

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